Ratgeber · Businessplan & Finanzierung

Businessplan für die Gastronomie: Aufbau, Inhalte und typische Fehler

Ohne überzeugenden Businessplan bekommen Sie bei der Bank oft nicht einmal einen Termin. Hier erfahren Sie, was hineingehört, wie Sie Ihren Umsatz nachvollziehbar herleiten und welche Fehler ich in der Praxis immer wieder sehe.

Kurz gesagt

Ein Businessplan für die Gastronomie besteht aus einem Textteil, der Konzept, Gründerperson, Standort, Zielgruppe, Wettbewerb und Marketing beschreibt, und einem Zahlenteil mit Investitions-, Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan, Umsatz- und Kostenplanung, Rentabilitätsvorschau und Liquiditätsplan. Entscheidend ist, dass Text und Zahlen zusammenpassen und der Umsatz nachvollziehbar hergeleitet ist, nicht geschätzt.

Wofür Sie den Businessplan brauchen

Der Businessplan ist nicht nur ein Dokument für die Bank. Sie brauchen ihn für:

  • die Bank, wenn Sie einen Kredit oder ein Förderdarlehen beantragen,
  • den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit, zusammen mit der Stellungnahme einer fachkundigen Stelle,
  • das Jobcenter, wenn Sie aus der Grundsicherung gründen,
  • Verpächter und Brauerei, die wissen wollen, ob Sie das Objekt tragen können,
  • sich selbst: Erst mit den Zahlen sehen Sie, ob Ihr Traum sich auch rechnet.

Der Textteil: Ihr Konzept in Worten

Im Textteil überzeugen Sie die Leser davon, dass Ihr Konzept durchdacht ist und Sie die richtige Person dafür sind. Diese Punkte gehören hinein:

  1. Zusammenfassung: das Wichtigste auf einer Seite. Viele Bankberater lesen zuerst nur diese Seite.
  2. Gründerperson: Ausbildung, Erfahrung in der Gastronomie, kaufmännisches Wissen. Fehlt Branchenerfahrung, zeigen Sie, wie Sie das ausgleichen, zum Beispiel durch ein Coaching oder erfahrenes Personal.
  3. Geschäftsidee und Konzept: Was bieten Sie an, für wen, zu welchen Preisen und mit welcher Serviceform?
  4. Markt und Zielgruppe: Wer sind Ihre Gäste, und wann kommen sie?
  5. Standort: Lage, Frequenz, Sichtbarkeit, Parkplätze und Erreichbarkeit.
  6. Wettbewerb: Wer bietet in der Nähe Ähnliches, und was machen Sie anders?
  7. Marketing: Wie gewinnen Sie Gäste vor und nach der Eröffnung?
  8. Organisation und Personal: Öffnungszeiten, Personalbedarf und Aufgabenverteilung.
  9. Rechtsform: Einzelunternehmen, GmbH, UG oder eine andere Form, und warum.
  10. Chancen und Risiken: ehrlich benannt, mit Ihrem Plan für den Fall, dass es schlechter läuft.

Der Zahlenteil: Hier entscheidet sich die Finanzierung

Der Zahlenteil ist der wichtigste Teil. Hier sieht die Bank, ob Ihr Vorhaben sich trägt und ob Sie den Kredit zurückzahlen können.

  • Investitionsplan: Umbau, Küche, Einrichtung, Kassensystem, Ablöse.
  • Kapitalbedarfsplan: Investitionen plus Anlaufkosten, Kaution, Warenerstausstattung, Marketing zur Eröffnung und eine Reserve.
  • Finanzierungsplan: Eigenkapital, Kredite, Förderdarlehen und gegebenenfalls Zuschüsse.
  • Umsatzplanung: aus Plätzen, Auslastung und Durchschnittsbon hergeleitet (siehe Rechenbeispiel).
  • Kostenplanung: Wareneinsatz, Personal, Pacht, Nebenkosten, Versicherungen, Marketing, Zinsen und Tilgung.
  • Rentabilitätsvorschau über mehrere Jahre: Bleibt am Ende ein Gewinn?
  • Liquiditätsplan Monat für Monat, in meinen Businessplänen über drei Jahre: Ist immer genug Geld auf dem Konto?
  • Privater Bedarf: Ihr Lebensunterhalt, Kranken- und Pflegeversicherung und Altersvorsorge.

Ein Betrieb kann rentabel sein und trotzdem an fehlender Liquidität scheitern, zum Beispiel wenn Umbau, Anlaufphase und Saisonschwankungen nicht eingeplant sind. Deshalb schaut die Bank besonders genau auf den Liquiditätsplan.

Rechenbeispiel: So leiten Sie den Umsatz her

Banken misstrauen runden Umsatzzahlen ohne Begründung. Leiten Sie Ihren Umsatz deshalb aus wenigen, nachvollziehbaren Größen her. Ein vereinfachtes Beispiel für ein Café, mit angenommenen Werten:

Sitzplätze40
Belegungen pro Platz und Tag (Auslastung)1,5
Durchschnittsbon pro Gast (netto)12 €
Öffnungstage im Monat26
Monatsumsatz (40 × 1,5 × 12 € × 26)18.720 €

Die Werte sind nur ein Beispiel, keine Richtwerte. Wichtig ist, dass Sie jede Annahme begründen können, etwa mit Ihren Standortbeobachtungen, Ihrer Preisliste und Erfahrungen vergleichbarer Betriebe. Rechnen Sie außerdem ein vorsichtiges Szenario mit 20 Prozent weniger Umsatz. Trägt der Betrieb auch dann Pacht, Personal und Ihren Lebensunterhalt, wirkt Ihr Plan auf die Bank deutlich stabiler.

Die 7 häufigsten Fehler im Gastronomie-Businessplan

  1. Umsatz geschätzt statt hergeleitet. „Wir rechnen mit 25.000 € im Monat“ überzeugt niemanden.
  2. Zu optimistischer Start. Volle Auslastung ab dem ersten Monat ist unrealistisch. Planen Sie eine Anlaufphase ein.
  3. Reserve vergessen. Umbauten dauern fast immer länger und werden teurer als geplant.
  4. Eigener Lebensunterhalt fehlt. Auch Ihre Krankenversicherung und Ihr privater Bedarf müssen aus dem Betrieb bezahlt werden.
  5. Wareneinsatz zu niedrig angesetzt. Kalkulieren Sie Ihre Gerichte und Getränke einzeln, statt Pauschalwerte zu übernehmen.
  6. Text und Zahlen passen nicht zusammen. Wer im Text „gehobene Küche“ schreibt, kann im Zahlenteil nicht mit Imbiss-Preisen rechnen.
  7. Vorlage aus dem Internet ohne Bezug zum Vorhaben. Bankberater erkennen kopierte Texte sofort.

Selbst schreiben oder erstellen lassen?

Den Textteil können Sie mit einer guten Vorlage selbst vorbereiten, denn niemand kennt Ihre Idee besser als Sie. Die Finanzplanung sollten Sie dagegen nicht allein machen: Hier entscheidet sich, ob die Bank finanziert. Meine Empfehlung ist deshalb, die Finanzplanung gemeinsam mit einem Experten zu erstellen, mit echten Gastronomie-Zahlen, Stresstest und Vorbereitung auf das Bankgespräch.

Wenn Sie selbst starten möchten: Die Businessplan-Blanko-Vorlage gibt Ihnen die komplette Gliederung, das Businessplan-Beispiel zeigt einen ausformulierten Plan mit Zahlen. Wenn Sie Unterstützung möchten, finden Sie meine Leistungen rund um den Businessplan und die Pakete im Vergleich.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, einen Businessplan für die Gastronomie zu erstellen?

Das hängt vom Vorhaben ab. Für ein überschaubares Projekt rechne ich mit etwa 20 Stunden gemeinsamer Arbeit, für größere Finanzierungen ab etwa 100.000 € mit rund 40 Stunden. Wie schnell es geht, hängt auch davon ab, wie viel Zeit Sie sich für die Termine nehmen können.

Brauche ich für den Gründungszuschuss einen Businessplan?

Ja. Für den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit brauchen Sie einen Businessplan mit Finanzplanung und die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle, die die Tragfähigkeit Ihres Vorhabens bestätigt.

Wie viele Jahre muss die Planung umfassen?

Banken erwarten in der Regel eine Rentabilitätsvorschau über mehrere Jahre und einen Liquiditätsplan Monat für Monat. In meinen Businessplänen plane ich die Rentabilität über vier Jahre und die Liquidität über drei Jahre.

Kann ich einen Businessplan aus dem Internet übernehmen?

Als Orientierung für die Gliederung ja, als fertigen Plan nein. Bankberater erkennen kopierte Texte und Zahlen ohne Bezug zum Vorhaben sofort. Ihr Plan muss Ihren Standort, Ihr Konzept und Ihre eigenen Zahlen widerspiegeln.

Was kostet es, einen Businessplan erstellen zu lassen?

Bei mir beginnt Paket 1 (Businessplan Kompakt, ca. 20 Stunden) bei 2.000 € und Paket 2 (Businessplan Premium, ca. 40 Stunden) bei 3.800 €, jeweils zuzüglich MwSt. Mit einem AVGS-Gutschein kann die Erstellung im Rahmen eines Gründungscoachings für Sie kostenfrei sein.

Hinweis: Dieser Artikel gibt Erfahrungen aus der Gastronomie-Praxis wieder und ersetzt keine Steuer-, Rechts- oder Finanzierungsberatung.

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